Drei Wettbewerbe – ein Ziel

Die Verleihung der Preise im Wettbewerb „Denkmalschutz und neues Bauen“ 2002, der Fassadenpreise 2002 und des Preises der Deutschen Stiftung Denkmalschutz fand am 20. Februar 2003 im Saal des Alten Rathauses statt. In seiner Ansprache stellte Bürgermeister Hep Monatzdeder fest: „Die heutigen Preisverleihungen sind der der krönende Abschluss von Wettbewerben aus dem vergangenen Jahr 2002. Gestatten Sie mir trotzdem, zunächst mit einem kleinen Ausblick auf das Jahr 2003 zu beginnen. In diesem Jahr feiert das Bayerische Denkmalschutzgesetz, das am 25. Juni 1973 erlassen worden und am 1. Oktober 1973 in Kraft getreten ist, ist 30-jähriges Bestehen. Dieses Gesetz, daran zweifelt heute niemand mehr, auch wenn es anfangs nicht nur auf ungeteilte Sympathien gestoßen ist, war gerade noch zur rechten Zeit ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Und auch wenn der Etat für die Baudenkmalpflege im bayerischen Staatshaushalt seither einen historischen Tiefstand erreicht hat – die umgerechnet rund 25 Mio. Euro, die dort ursprünglich zur Verfügung standen, sind inzwischen auf knapp 11 Mio. Euro zusammengeschrumpft: Über einen Mangel an öffentlicher Aufmerksamkeit zumindest kann sich der Denkmalschutz nach wie vor nicht beklagen. Ganz im Gegenteil: Immer mehr Bürgerinnen und Bürger sehen die Belange des Denkmalschutzes auch als ihre eigene Belange.

München ist dafür das beste Beispiel. Das haben nicht nur die Diskussionen gezeigt, die um so spektakuläre Projekte wie das Olympiastadion oder den Alten Hof geführt wurden und werden; das zeigen auf eine besonders anschauliche Weise einmal mehr auch die Wettbewerbe, deren beste Beiträge wir heute wieder mit einem Preis auszeichnen können.

Da ist zunächst der Wettbewerb „Denkmalschutz und Neues Bauen“. 1979 war seine Premiere und nach zunächst zweijährigem Turnus wird er seit 1987 im dreijährigen Turnus weitergeführt. 2002 war die bisher neunte Auflage dieses Wettbewerbs, und es war auch die mit der größten Beteiligung. 36 Bewerbungen wurden da eingereicht, fünf mehr als beim letzten, und 15 mehr als beim vorletzten Mal.

Das ist umso bemerkenswerter, als der Wettbewerb „Denkmalschutz und Neues Bauen“ sicher mit zum Anspruchvollsten gehört, was der Städtebau zu bieten hat. Der Anspruch: Das ist ein möglichst gelungenes Neben- und Miteinander von Alt und Neu, von historischer und zeitgenössischer Architektur.

Das betrifft Neubauten in Ensemblebereichen und in der Nähe von Baudenkmälern; das betrifft Ausbauten, Erweiterungen oder Umbauten und Umnutzungen von Baudenkmälern. Und das bedeutet in jedem Fall eine sehr schwierige Gratwanderung zwischen der Wahrung des Erhaltenswerten und einem behutsamen Hinzufügen entsprechend den heutigen Bedürfnissen.

Eine noch längere Geschichte als der Wettbewerb „Denkmalschutz und Neues Bauen“ hat der Fassadenwettbewerb. Er wurde bereits im Jahr 1979 vom Münchner Stadtrat in Leben gerufen, ursprünglich mit dem Ziel, im Vorfeld der Olympischen Spiele einen Anreiz zur optischen Aufwertung des Münchner Stadtbilds zu schaffen. Inzwischen ist die Bedeutung des Fassadenwettbewerbs viel komplexer geworden. Prämiert wird zwar nach wie vor der restauratorische Aufwand für die Fassade, darüber hinaus aber wurde der Wettbewerb geradezu zu einem Motor auch für substanzielle Sanierungsmaßnahmen an historischen Gebäuden.

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Und er wurde damit natürlich auch zu einem Auftrags- und Beschäftigungsmotor für das Handwerk und den gewerblichen Mittelstand, jenen Wirtschaftsbereich also, der den Standort München prägt wie kaum ein anderer.

Als der Fassadenwettbewerb vor über 30 Jahren eingeführt wurde, war er ein echtes Novum, ein Vorbild weit über München hinaus, das mittlerweile von vielen historischen Städten übernommen wurde. Doch welch enormen Zuspruch sich vor allem natürlich am Münchner Stadtbild selber ablesen. Schließlich sind hier allein im vergangen Jahr, für den 33. Münchner Fassadenwettbewerb, 77 Bewerbungen für 103 Anwesen eingegangen, von denen 21 heute mit einem Preis ausgezeichnet werden.

Darüber hinaus werden auch diesmal wieder fünf Objekte der öffentlichen Hand mit einer „Lobenden Erwähnung“ bedacht.

Insgesamt wurden seit Einführung des Fassadenwettbewerbs damit 617 Preise und 75 „Lobende Erwähnungen“ ergeben. Sie sind zweifellos die schönsten und eindrucksvollsten Ergebnisse des Münchner Fassadenwettbewerbs.

Doch als Gewinn für München schlagen auch die nichtprämierten Wettbewerbsbeiträge zu Buche. Und eine zusätzliche Aufwertung haben schließlich auch diejenigen Fassaden- und Gebäudeinstandsetzungen gebracht, die – inspiriert durch die Vorbilder des Wettbewerbs – durchgeführt wurden, ohne dass dafür eine Bewerbung einging.

Sie alle haben einen Beitrag zur historischen Bestandspflege Münchens geleistet, der gar nicht hoch genug einzuschätzen ist.

Dies gilt in ganz besonderem Maße auch für die Renovierungsmaßnahme, die heute mit dem Preis für vorbildliche Denkmalpflege ausgezeichnet wird. Es ist ein Preis der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, mit dem privates Bauherren-Engagement die verdiente Anerkennung erfahren soll.

Sinnvollerweise wurde das Projekt, für das dieser Preis heute vergeben wird gleich aus dem Kreise der Bewerber für den Fassadenpreis ausgewählt.

Die Wahl fiel dabei auf die Jugendstilvilla in der Dachstraße 49, bei der nach dem fachkundigen Urteil der Gutachtenkommission eine mustergültige Restaurierung gelang.“

Der Preis wurde vom Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Prof. Gottfried Kiesow, überreicht.

Weiter führte Hep Monatzdeder aus: „Zu dem was München ausmacht, gehört mit an vorderster Stelle sein unverwechselbares Stadtbild. Es ist sozusagen Münchens weitbekannte „Visitenkarte“. Es zu bewahren, heißt aber nicht, es unter eine museale Käseglocke zu stellen. Münchens Baudenkmäler brauchen auch weiterhin besonderen Schutz, sie müssen zugleich aber auch ein integraler Bestandteil des städtischen Lebens bleiben. Dazu haben alle Beteiligten und alle Preisträgerinnen und Preisträger der Wettbewerbe, die heute hier im Alten Münchener Rathaussaal zusammengekommen sind, ihren ganz persönlichen Beitrag geleistet.

Ihnen allen, den Bauherren und Investoren, den Fachleuten der beauftragten Architektur- und Ingenieurbüros, den bauausführenden Firmen und Handwerksbetrieben, den Mitgliedern der ehrenamtlichen Gutachterkommission, namentlich dem Vorsitzenden, Prof. Otto Meitinger, ferner der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und nicht zuletzt auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Unteren Denkmalschutzbehörde beim städtischen Planungsreferat möchte ich dafür ganz herzlich danken. Den Preisträgerinnen und Preisträgern sage ich zugleich meinen herzlichen Glückwunsch.“

Bei der Urkundenverleihung, durch Stadtbaurätin Christiane Thalgott und Bürgermeister Hep Monatzeder, konnten zum ersten Mal die Hausbesitzer auch die Architekten und die verantwortlichen Handwerker ihrer Baumaßnahmen vorstellen.

 

Beitrag in BDB Fassadenpreis 2002
Autorinnen: Anne Batisweiler
Herausgeber: BDB Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure e.V.
www.bdb-bayern.de