Beitrag in Licht 10/2007

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Spiegelbild des Lichts

Lichtplanung eines Schwimmbads in einem Münchner Privathaus von Anne Batisweiler

Die Innenarchitektin und Diplom-Designerin Anne Batisweiler aus München ist bekannt für ihre ungewöhnlich kreativen Raumkonzeptionen. Kinos, Büros, Restaurants, Läden, Praxen, Hotels, Wohnungen und Häuser werden von ihr und ihrem dreiköpfigen Team gestaltet. Immer wieder sorgt sie dabei mit ihren außergewöhnlichen Ideen für überraschende, optische Reize. Von den Besitzern eines Münchner Einfamilienhauses wurde sie gebeten, das noch aus den 1970er Jahren stammende, im Keller untergebrachte Schwimmbad der Familie einer grundlegenden Revitalisierung zu unterziehen. Zentrale Aufgabe war dabei das Kreieren einer besonders weichen, entspannenden und wohltuenden Lichtstimmung.

»Der einzige Schmuck dieses Bades war eine an der Kopfwand des Raumes angebrachte Fototapete mit Palmenstrand«, erinnert sich Anne Batisweiler. »Das alles machte mehr den Eindruck einer überdimensionalen Schuhschachtel aus Stahlbeton und erinnerte mich an einen Luftschutzbunker. Von der entspannenden Atmosphäre einer Wellness-Oase war dieses Schwimmbad Lichtjahre entfernt.«

Im Zuge der technischen Grunderneuerung wünschten sich die Besitzer des Hauses einneues Gestaltungskonzept, dass die Begrenzungslinien der Schwimmhalle aufheben und über eine besondere Lichtstimmung getragen werden sollte – Licht als Balsam für Körper, Geist und Seele.

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1, 3 Die Kombination von Licht und 500 Spiegeln machen aus einer Schwimmhalle eine Wellness-Oase zum Träumen und Entspannen.

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Für die Beleuchtung sorgen direkt strahlenden Unterwasserleuchten in Kombination mit Strahlerreihen links und rechts des Beckens sowie zwei Strahlerleuchten (Bild1), die in das Deckengewölbe hinein leuchten. Alle Leuchten lassen sich kombiniert schalten.

Die Gestaltung des Schwimmbeckens und der direkten Umlauf-Überlauf-Bereiche erfolgte durch Mosaikfliesen aus dunkel- und hellblauen, türkisfarbenen, gelben und grünen Steinchen, die mit weißen Flächen an den Beckenwänden kombiniert wurden. Sie sollten dem Becken optisch mehr Tiefeverleihen und zudem als starke Lichtreflektionsfläche für die entlang laufenden Beckenstrahler dienen.

Um die Begrenzungslinien des Gesamtraumes aufzuheben, wurden die Wand- und Deckenstöße über weiche Rundungen aufgehoben. So scheint die Architektur des Raumes fließend, ineinander übergehend. Wände und Decken gleiten ineinander, der Raum verliert seine Konturlinien und wirkt größer, als er eigentlich ist. Der strenge Formalismus des Raumes wird aufgehoben, erwirkt harmonisch und wohltuend.

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In den Raum integrierte Spiegel verschiedener Größe lassen die Konturen der Schwimmhalle ineinander fließen und den Raum größer erscheinen, als er tatsächlich ist.

Die Aufhebung der räumlichen Begrenzung verstärkt sich durch das einzigartige Beleuchtungskonzept, das in einer Kombination aus direktem und indirektem, reflektierendem Licht besteht.

Für direktes Licht sorgen zentrale Schwimmbadleuchten unter Wasser. Dazu kommen Strahlerreihen links und rechts des Beckensund zwei Strahlerleuchten, die in das Deckengewölbe hinein leuchten. Diese Installationen können kombiniert geschaltet werden.

Die eigentliche Stimmung aber, das Mystische des Raumes, erzeugen 500 verschiedengroße, aufgeklebte und eingespachtelte Spiegelscheiben mit Durchmessern von 30 bis 80 Millimetern. Sie sind in das komplette Wand- und Deckenkonstrukt eingearbeitet und reflektieren nicht nur das Licht der direkten Lichtquellen, sondern spiegeln sich auch untereinander.

Das Resultat sind immer wieder neue, verschiedenartige Lichtstimmungen, die letztlich auch den kleinsten Rest an räumlicher Begrenzung aufheben.
Die Spiegel verändern die Eindrücke, erinnern an eine Art Sternenhimmel. Sie regen die Phantasie an und versetzen in Stimmung. Wer hier schwimmt, dem erscheinen die 500 Spiegel wie kleine Fenster in eine unendliche Weite. Ihre Lebhaftigkeit macht sie im Vorbeischwimmen zu kleinen Sternschnuppen. Sie tauchen die ehemals starre Schwimmhalle in eine dynamische und doch mystische Welt der Wahrnehmung.

Objektinformationen
Objekt: Schwimmbad in einem Münchner Privathaushalt
Fertigstellung: September 2006
Innendesign und Lichtplanung: Anne Batisweiler, München
Eingesetztes Material: >>Nautic Spot<< und >>Nautilus IP67<<, SLV Elektronik GmbH, Übach Palenberg

Beitrag in Licht 10/2007
Autor: Stefan Volkamer
Verlag: Pflaum Verlag,  München
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